Die Reben sind geschnitten

Die Helferinnen und Helfer im Weinberg lassen sich auch von Wind und Schnee nicht von der ehrenamtlichen Arbeit abhalten.

Die Helferinnen und Helfer im Weinberg lassen sich auch von Wind und Schnee nicht von der ehrenamtlichen Arbeit abhalten.

10 Uhr morgens, es ist noch sehr kalt. Der steile Hang des Rauenegg-Weinbergs ist schneebedeckt und ein leichter Wind bläst die kalte Luft den Hang hinauf. Trotzdem haben sich unter der Regie von  Hermann Dippon einige Ehrenamtliche eingefunden, um die Reben zu  schneiden. Eine hohe Kunst, die gelernt sein will. Und so ist es verständlich, dass es zuerst wieder eine Einführung in das richtige  Schneiden gibt. Zwei fruchttragende Triebe sollen stehen bleiben, möglichst nahe am Kopf der Rebe. Der Rest muss weggeschnitten werden. Es  gilt also, zuerst genau zu schauen, wo die beiden besten Triebe aus dem  zweijährigen Holz herauswachsen. „Ihr müsst vorausschauend beurteilen“,  betont Hermann Dippon immer wieder. „Und prüft bitte auch, ob die  Triebe gesund sind.“ Gar nicht so einfach und oft eine knifflige  Angelegenheit, die recht viel Erfahrung verlangt. Die hat Dippon, der bei den Ehrenamtlichen im Weinberg, einem Projekt der Bürgerstiftung  Kreis Ravensburg um Hans Kiderlen, die Verantwortung für den Rebschnitt  und das Entlauben übernommen hat. Als Mann aus dem Remstal ist er mit  dem Weinbau vertraut. „Wer unsicher ist, kann mit mir schneiden.“ Es  gibt aber auch schon einige erfahrenere Helferinnen und Helfer, die sich in Zweierteams an die Arbeit machen, Rebstock für Rebstock, Reihe für Reihe. Eine anstrengende Arbeit in diesem steilen Gelände. Man kann beobachten, wie die Teams zuerst prüfend schauen, beraten, und dann erst schneiden. Jetzt erfolgt eine erste Weichenstellung für die nächste  Ernte.

Nach gut drei Stunden werden die Füße kalt und es rufen noch andere Verpflichtungen. Das Ziel, den Schnitt noch vor Weihnachten hinzubekommen, werden die Ehrenamtlichen erreichen. Aber warum dieser frühe Schnitt?

Da gibt es einen praktischen Grund. Der Weinberg  ist in die Jahre gekommen und nun sollten einige der Pfosten ersetzt  werden. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Triebe nicht mehr an den  Drähten hängen. „Und wie geht es weiter?“, will Thomas K. wissen. „Mit dem Verarbeiten des Rebschnitts zu Biodünger und mit der Arbeit an den Pfosten. Und der Zaun muss auch noch erneuert werden. Also, es gibt noch viel zu tun – aber erst wieder im Januar oder Februar“, lachen Roland  Heine und Peter Neumann. Beide sind schon lange dabei und wissen, dass sehr viel Arbeit im Wein steckt. In diesem Fall für einen guten Zweck.

Text und Bilder: Johann Stroh