Weinernte 2020 erfolgreich abgeschlossen

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer blicken nach getaner Arbeit zufrieden auf das Weinjahr zurück.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer blicken nach getaner Arbeit zufrieden auf das Weinjahr zurück.

Das Handy piepst. Eine Email von Hans Kiderlen an die Ehrenamtlichen. Die Lese der roten Trauben wird etwas vorgezogen, die Essigfliege ist im Anmarsch. 

Wie immer, wenn Hans ruft, das Wetter verspricht Trockenheit und Sonne, ideale Bedingungen, um nun auch die roten Trauben zu lesen. 

Schon vor knapp zwei Wochen hatten sich 41 Helferinnen und Helfer eingefunden, um die weißen Trauben mit hervorragender Qualität zu ernten. Im Vergleich zum Vorjahr fiel der Ertrag zwar um etwa 20% geringer aus, doch die Qualität der Trauben ist recht gut: Fast keine Fäulnis und kaum Schädlingsbefall – und das bei durchschnittlich etwa 80 Öchsle (Mostgewicht des Traubenmostes), was nach der Vergärung einen Alkoholgehalt von knapp 11% ergeben wird. Eine gut Ausgangslage zur Herstellung eines feinen Seccos. Die geringere Erntemenge ist unter anderem auf einen stärkeren Schnitt der Triebe zurückzuführen und auch darauf, dass viele neue Rebstöcke gepflanzt wurden.  

Nun also die roten Spätburgundertrauben. „Wir beginnen am Burghaldentorkel und laden dort die gelesenen Trauben auf einen Anhänger. Anschließend fahren wir hinüber ins Rauenegg, um die Trauben dort maschinell zu entbeeren.“, so Kiderlen in seiner Email.  

Schon weit vor der vereinbarten Zeit fahren einige Helfer am Burghaldentorkel vor, mit Anhänger, wie besprochen. Andere warten bereits fast ungeduldig auf ihren Einsatz. Es ist 11:45 Uhr. „Hier sind die Scheren. Wir fangen oben an.“, begrüßt Kiderlen die Anwesenden. „Ich freue mich, dass wieder so viele da sind.“ Die Arbeit schreitet zügig voran. Die Eimer füllen sich schnell, ebenso die Wannen, die in den Anhängern bereit stehen. Auch bei den roten Trauben dürfte der Ertrag geringer ausfallen. Nach eineinhalb Stunden ist die Arbeit getan. „Den Rest überlassen wir den Vögeln.“, lacht Hans Kiderlen während er kritisch einige der Trauben in den großen Wannen begutachtet. „Mal sehen, wie es drüben im Rauenegg ausschaut.“ 

Dort steht schon alles bereit: Die Vorrichtung zum Entbeeren, der Tank für den Traubenmost, die Eimer, die Scheren und noch mehr Helferinnen und Helfer. Die siebte Lese unter der Regie von Hans Kiderlen findet ihren Abschluss. Die Arbeit ist für die meisten Routine, doch man kann auch ein paar neue Gesichter entdecken. Ingesamt sieht man 25 Ehrenamtliche, die Reihe für Reihe die Spätburgunder Trauben lesen, die wenigen faulen herausschneiden und die Rebstöcke sorgfältig abernten. Etwa 700 Rebstöcke mit Spätburgunder stehen 1700 Müller-Thurgau Gewächsen gegenüber. 

Hans Kiderlen rechnet mit etwa 700 Liter Traubenmost. Der Refraktometer zeigt 91 Öchsle, Kiderlen ist sehr zufrieden. „Wir wollen dieses Jahr etwas Neues ausprobieren. Es wird keinen Spätburgunder Rotwein geben, dafür aber einen rosè Secco. Um Farbe in den Secco zu bekommen, lassen wir die Schalen der roten Trauben ein bis zwei Tage in der Traubenmaische.“, erklärt der Önologe seinen Zuhörern. „Warum mehr Secco?“, will jemand wissen. „Weil der Secco bei den Ravensburgern sehr gut ankommt und wir die Nachfrage kaum befriedigen konnten.“ 

Es herrscht eine wunderbare Stimmung unter den Ehrenamtlichen. So etwas wie Teamgeist lässt sich erspüren. Einige beschränken sich vorwiegend auf die Lese, andere binden routiniert die Netze hoch und wieder andere tragen die schweren, gefüllten Eimer den steilen Hang hinunter zur Entbeerungsmaschine. Auch Hermann Dippon, Winzersohn aus dem Remstal, der sich seit knapp zwei Jahren bei den Ehrenamtlichen einbringt und die Regie der Rebpflege übernommen hat, ist zufrieden. „Auch wenn wir weniger Trauben haben, so ist die Qualität doch ausgezeichnet und der Weinberg insgesamt steht prima da“, meint er und strahlt über das ganze Gesicht. Nach gut drei Stunden wird es ruhiger, die Eimer und die Entbeerungsanlage werden gereinigt, der Tank ist gefüllt mit Traubenmost.

Jeder der Anwesenden weiß, dass nun ein arbeitsreiches Weinjahr zu Ende geht und jeder weiß, dass er wieder dazu beigetragen hat, das Hospiz zu unterstützen. Ein schönes Gefühl. Und eine gute Sache.  

Im Februar oder Anfang März wird es weitergehen. Dann müssen die Triebe zurück geschnitten und vor Ort gehäckselt werden. Doch jetzt setzen dich die Ehrenamtlichen erst mal mit Abstand zusammen und genießen ein Stück Zwiebelkuchen mit Suser. Auch das gehört dazu!

Text und Fotos von Johann Stroh