Hospiz Schussental: 5-jähriges Jubiläum in Corona-Zeiten

Fast 500 Menschen wurden seit 2016 in den Tod begleitet.

Fast 500 Menschen wurden seit 2016 in den Tod begleitet.

Die Schwäbische Zeitung Ravensburg-Weingarten hat den 5. Geburtstag des Hospizes Schussental in Pandemiezeiten zum Anlass für eine ausführliche Berichterstattung genommen (Redakteurin: Ruth Auchter-Stellmann, Juni 2021):

Ihre persönlichen Habseligkeiten müssen momentan auf eine Fensterbank  passen: Ein paar Postkarten mit Osterhasen und Blümchen stehen da neben einer Kerze, einem Kalender, einem Kreuzworträtsel. Seit fünf Monaten wohnt Carla B. bei ihrem todkranken, dementen Mann in einem 30  Quadratmeter großen Zimmer im Ravensburger Hospiz – für sie wurde ein  zusätzliches Bett neben seines gestellt.  „Ich bin unendlich dankbar, dass ich hier bei meinem Mann sein darf“,  sagt die 80-Jährige. Denn sie weiß: Ohne sie fände er sich gar nicht  mehr zurecht. Doch nachdem Peter B. an Weihnachten gestürzt ist und sie ihn „nicht mehr verheben konnte“, war klar:  Zuhause kann sie den 88-Jährigen, in dessen Rücken sich zahllose inoperable Metastasen ausgebreitet haben, nicht mehr pflegen. Für  Menschen wie Peter B. gibt es seit fünf Jahren das Hospiz Schussental Casa Elisa in der Nikolausstraße 10.  Gefeiert wurde das Jubiläum im Ostflügel des ehemaligen Nikolauskrankenhauses allerdings ohne Brimborium. Nicht nur, „weil wir  eine stille Einrichtung sind“, wie Leiter Thomas Radau sagt. Sondern auch, weil die Corona-Pandemie das Hospiz am Geburtstag im Januar fest im Griff hatte. 
Ein scheinbar negativ getesteter Gast, wie die Patienten hier genannt werden, hatte das Virus unwissentlich mitgebracht. In der Folge steckten sich etliche Mitarbeiterinnen und zwei weitere  Gäste mit SARS-CoV-2 an – am Ende war mehr als ein Drittel des Personals im Krankenstand. Und fiel teilweise bis zu fünf Wochen aus. Hätten die übrig gebliebenen Pflegekräfte und Hauswirtschafterinnen nicht Zusatzschichten eingeschoben, hätte das Hospiz schließen müssen. Um zu verhindern, dass das Virus sich in der Einrichtung noch weiter ausbreitet, wurde ein infizierter, sehr pflegebedürftiger Gast in die Oberschwabenklinik verlegt. Erst Ende Februar hatte sich die Lage wieder beruhigt. 
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In den vergangenen fünf Jahren wurden in der Casa Elisa fast 500 Menschen in den Tod begleitet. Da es in Wangen und Leutkirch ebenfalls jeweils acht stationäre Hospizplätze gibt, sei der Landkreis diesbezüglich gut aufgestellt, glaubt Thomas Radau: „Ich sehe den Bedarf gedeckt.“ Zumal es auch in Biberach, Friedrichshafen und Lindau jeweils ein Hospiz gibt. 95 Prozent der Kosten für den Aufenthalt im Hospiz übernehmen die Krankenkassen. Den Rest steuert die an die Bürgerstiftung Kreis Ravensburg  angedockte Hospizstiftung bei. Die St.-Elisabeth-Stiftung betreibt das Hospiz. Zwar sei die Aufbauarbeit in den ersten Jahren ziemlich  anstrengend gewesen, räumt Radau ein. Doch mittlerweile ist der gelernte  Krankenpfleger stolz auf die Qualität und den guten Ruf des Schussental-Hospizes. Ob ihm der tägliche Umgang mit Tod und Sterben zusetzt? Nein, sagt der 52-Jährige. „Würde ich das so sehen, könnte ich nicht lange hier arbeiten.“ Sein Lächeln wird noch ein wenig wärmer, als er hinzufügt:  „Wir gestalten und verbessern ja die Situation der Menschen und bekommen unglaublich viele positive Rückmeldungen.“

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Das Hospiz Schussental wird von der gleichnamigen Treuhandstiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Kreis Ravensburg unterstützt.

Foto: Hospiz Schussental