Gute Nachrichten aus dem Weinberg

Ehrenamtliche entlauben vor dem Traubenschluss und sehen einer guten Ernte entgegen.

Ehrenamtliche entlauben vor dem Traubenschluss und sehen einer guten Ernte entgegen.

Donnerstagmorgen, 9 Uhr: Die Sonne streut ihr wunderbares Licht in den Weinberg am Rauenegg. 13 Ehrenamtliche sind angetreten, um die Traubenzone von zu viel Laub zu befreien. „Guten Morgen zusammen!“, Hans Kiderlen blickt gut gelaunt in die Runde. „Ihr seid ja alle mehr als pünktlich“, freut er sich. Dann erklärt er kurz, was heute zu tun ist: Einschleifen der Triebe zwischen die Drähte, gipfeln (oben abschneiden) und vor allem entlauben. Das ist heute das Wichtigste.

Schon der erste Eindruck bestätigt, was die Ehrenamtlichen im Laufe der nächsten vier Stunden sehen und erleben werden: Schöne, gesunde Beeren und Triebe fast ganz ohne Mehltau, kräftig gewachsen und stabil an den Drähten verankert.

Es könnte ein gutes Jahr im Weinberg werden. Die Blüte ist längst durch. Dann, so sagt man, seien es noch 100 Tage bis zur Lese. Aus den kleinen Beeren bilden sich nun die Trauben. Man spricht vom Traubenschluss. Diese Phase des Wachstums ist mitentscheidend für den späteren Erfolg. Jetzt sollte sich kein Pilz einschleichen. Es ist besonders wichtig, dass die Trauben genug Licht und Luft abbekommen, damit die Nässe zwischen den Beeren gut abtrocknen kann. Die Traubenzone muss folglich entlaubt werden. Doch alle Blätter entfernen darf man nicht, denn die Blätter schützen zum einen die Trauben vor Regen, Hagel und auch vor zu viel Sonne, andererseits sind sie wichtig für die Photosynthese, bei der wiederum in den Blättern Zucker gebildet und in den Beeren eingelagert wird. Idealerweise gilt ein Verhältnis von 1:4 zwischen Traubenzone und Blätterwand. 

Die Trauben sind teilweise sehr dicht gewachsen, das Wetter war bisher recht gut: Nässe, aber auch viel Sonne. Um die Qualität zu steigern, schneiden die Ehrenamtlichen sogar vereinzelt Trauben heraus, damit die anderen mehr Raum zur Entfaltung haben. 

Hans Kiderlen fasst zusammen: „So gut stand der Weinberg lange nicht mehr da. Wir sind etwa zwei Wochen voraus. Es gibt bisher kaum Mehltaubefall, die Reben sehen sehr gesund aus und wir werden in unserer Hoffnung bestärkt, dass wir eine super Ernte einfahren können. Aber wir müssen weiterhin sorgsam darauf achten, das wir keinen Pilzbefall, Mehltau oder andere Krankheiten bekommen.“

Nach knapp drei Stunden geht es hinüber in den kleinen Weinberg, um dort nach dem Rechten zu schauen. Es gibt allerdings nicht so viel zu tun, den zwei Ehrenamtliche haben hier schon bestens vorgearbeitet. 

„Ist das nicht herrlich hier oben!“, Alfons Kirchmaier ist mit seinen 81 Jahren immer noch aktiv dabei, ebenso Dr. Dieter Paul mit weit über 70 und anderen, die beim Marathon in der Gruppe Ü70 starten würden. 

Albert und Dieter spendieren heute Bier, Hans hat Brezeln und Seelen geholt. Auch das ist längst eine Tradition, dass man nach getaner Arbeit noch zusammensitzt in lockerer Runde, dabei Privates und Weinberg-Bezogenes bespricht und es sich ein wenig gut gehen lässt. 

Text und Fotos: Johann Stroh